13
Dezember
noch mal den osten vermessen.

die kommentatoren sind ratlos bis abgeneigt, es richtig zu finden, daß andrej holm als staatssekretär eingesetzt (werden sollte) also wurde.

ich selbst weiß es nicht. die ostbiographien sind kompliziert. aber komplizierter als die der alten nazis im westen und im osten nach dem krieg? so kompliziert wie täter und mitläufer zu trennen? und, ist das überhaupt sinnvoll? oder, was wußte die alte brd von stasifirmen im westen? ist auch nicht aufgeklärt und zu ende erzählt.

keine ahnung, ob man das vergleichen kann oder alles mit allem zusammenhängt. vielleicht wäre ich gegen so eine personalie, wenn ich durch die stasi geschädigt wurde. ich kann mich nur erinnern, daß wir die stasi nicht ernst genommen haben, weil ich eben keine berührungspunkte hatte. ich bin ein jahr jünger (alt) als andrej holm und kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich im mai 1989 aus dem kaderbüro (westdeutsch personalbrüo) vor allem verunsichert kam, weil ich gerade meine kandidatur für einen eintritt in die sed verhindert hatte. und da konnte man nicht sagen: gehts noch, ich soll in diesen scheißverein? ich wollte studieren. anderen mitschülern hat man wohl glaubhaft gemacht, sie könnten nicht studieren oder bekämen später keine stelle wo sie wollten. es war also ein eher verdruckstes nein, später vielleicht, jedenfalls ein unsicheres unterfangen. (mein herr papa ist übrigens ausgeflippt, obwohl er selbst nicht in der partei war, aber angst hatte, daß ich mir die zukunft versaut und verbaut hätte). da war ich 18. im juli/august 1989 war (ich immer noch 18) greifbar, wie miserabel die lage im land war. bleiern schwer. keine veränderung, keine nachgeweinte träne, kein öffnung, kein gorbatschow, dessen parteitagsrede (1986) ich 1988 gelesen hatte, konnte man kaufen. den sputnik nicht mehr. schlußpunkt am 9. oktober 1989 in leipzig. uns wurde gesagt (berufsschule), wir sollten nicht in die innenstadt gehen, weil dort die konterrevolution niedergeschlagen würde. ich kann hier die konterrevolution nicht in anführungszeichen setzen, weil es so nicht gemeint war. natürlich waren wir in der innenstadt, vor der nikolaikirche, auf dem leipziger ring.

genug nun mit dem abschweifen. was mich eigentlich vom hocker gehauen hat, ist daß man 16jähre eine verpflichtungserklärung hat unterschreiben lassen. und eigentlich auch die tatsache, daß im september 1989 der sozialismus mit menschlichem anglitz in der ddr wie sie war, absurd war. das ist, in aller sonstigen unkenntnis, nur mein beitrag dazu.

am ende aber bin ich eher geneigt, um es mit den worten von jens balzer zu sagen: "Man kann von jemandem wie Holm nicht verlangen, dass er sein ganzes Leben lang an seiner Vergangenheit gemessen wird." weil es eben so kompliziert ist. und bleibt.


 
 
13
November

schlechte nachricht: dead wall reveries wird künftig "eher von klassischer musik handeln, von romanen, philosophie, ästhetik, zweifeln, logik, kunst und anderen wegen aus der welt hinaus" berichten. einerseits ist man nicht mal mit bruckner ganz aus der welt. der welt, die wir zu kennen glaubten.

aber andereseits ...


 
 
09
Dezember

eigentlich denke ich ich bei dem lied eher an die stille nach dem schuss als an den ersten mai.
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zufällig sah ich heute den letzten teil der" geschichte der raf". es ging um die dritte generation der raf, man könnte nicht nur die dritte generation ominös nennen sondern auch die fälle. o-ton im staatsfernsehen: "der fall rohwedder ist wie alle morde der dritten genaration bis heute nicht aufgeklärt." ich weiß, das muß nichts heißen. nur, "der selbstschutz staatlicher institutionen steht offenbar höher als das aufklärungsinteresse der justitz ... und das ist jedenfalls ein eindruck, den man in einer reihe von fällen hat gewinnen können und das wäre natürlich prekär, wenn dem tatsächlich so gewesen sein sollte." das ist der schlußsatz, ende.
#
und? ha! genau diese beiden dokus habe ich mir heute und nicht zufällig noch einmal angesehen, vorhin erst.
#
was den wahrheitsgehalt der aussage von beate zschäpe heute auch immer angeht, sie hat den mordfall kiesewetter und das was in eisenach passiert ist, juristisch jedenfalls, zum abschluß gebracht.
und damit ist dann auch stille nach den vielen schüssen.


 
 
17
November
nachlese

Mit dem Kalifat des IS sei jetzt "die Zeit gekommen", heißt es da, "noch mehr Zerwürfnis in die Welt zu bringen und allerorten die Grauzone zu zerstören".
zerwürfnis in der welt ist nun (sowieso und leider) genug.
so rücken die grauzonen in den vordergrund: Die Rede von "Werten", die den logischen Schatten von Pluralismus und Relativismus verleugnet, den sie voraussetzt, läuft Gefahr, in einen Glaubenskrieg zu münden.


 
 
10
November
helmut schmidt.

nicht meine zeit. die schlußakte von helsinki wurde beschlossen als ich noch ein kleinkind war. die ddr hat es jedenfalls als ihren erfolg verkauft. ich habe, später natürlich, einige dokumentationen gesehen, und daß zwischen schmidt und honnecker quasi gar keine chemie war; keine, die auch nur entfernt gestimmt hätte. und das kann man ihm (dem schmidt) nun wirklich nicht verdenken, im nachhinein und sonst wohin.
#
eine ältere dame sagte mir mal, und wer weiß wie wir darauf kamen: schmidt sei ein guter mann, nur in der falschen partei. diese aussage ist nun auch älter und 20 jahre her. ihr kanzler war später auch meiner, und wohl für sie in der richtigen partei. aber, ich kann das 70er-jahre-"feeling" sowieso nicht so richtig nachvollziehen. und gegen den späteren und gemeinsamen kanzler habe ich mich jedenfalls gewehrt.
#
vielleicht ist aber das das erstaunlichste, daß dieses land einen intellektuellen geliebt verehrt gehabt zu haben scheint.
#
auf (k)eine letzte zigarette also.


 
 
05
Oktober

ich kaufe den spiegel ca. zweimal im jahr, also in diesem jahr das erste mal, und das nur weil alexander osang in seiner lesung von seiner reportage erzählt hat.
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und dann kriegt man das dazu, einen text, eine glosse möchte ich das auch nicht nennen: kein geistesfunke "außerhab von wirtschafts- oder geldpolitik": bedauerlich ja, nennt sich kapitalismus. geistesfunken stehen nicht hoch im kurs, und wir müssen befürchten, daß mit jeder zeile eines autors, die nur bezahlt wird, wenn sie auch gelesen (oder besser konsumiert) wird, geistesfunken sozusagen unbezahlbar werden. einfach, weil sie ausbleiben. na, das klingt ja jetzt furchtbar kulturpessimistisch. ich will auch mal kulturpessimistisch sein.

was mich nun ganz speziell verwundert hat, ist der kulturelle schmerz jenseits von nation (auf seite 123) um dann fortfolgend auf seite 123 und 124 immer wieder von nation(...) zu lesen. das ganze nationgedöns und die entwurzelungsangst, kann man vielleicht machen; muß ich ja nicht teilen.

der schluß ist mir jedoch mächtig aufgestoßen:

ich habe einfach meine zweifel, daß sich radikale, die flüchtlinge einfach nur hassen oder wen auch immer, im ästhetischen beheimatet fühlen und mit ihren sorgen deshalb "unkontrolliert auf das vakuumempfinden" reagieren. lieber würden die sich doch in die literatur, besser noch in die hochliteratur, zurückziehen? ich kann natürlich nicht ausschließen, dass ich einfache radikale unterschätze. weil einfach hassen zu einfach ist. der von "der politik" aufgekündigte konsens, daß sich nichts ändert, treibt nicht nur die radikalen was-auch-immer-hasser auf die barrikaden und zu allen möglichen tiraden.
#
mir scheint in der "flüchtlingsfrage" eine nicht unerhebliche herausforderung darin zu bestehen, zu erklären, daß wir ein säkulares land sind: andererseits jedoch genug themen aufzubieten haben, die "wir" seltsamerweise fast fundamental religiös beantworten.


 
 
16
September

unlängst wollte eine frau mit ihrem fahrrad in die s-bahn einsteigen - im öffentlichen nahverkehr gibt es sehr regelmäßig und zuverlässig unregelmäßigeiten im zugverkehr, die zuweilen in chaotische zustände ausarten - erst forderte sie ziemlich barsch eine frau mit kinderwagen auf, ihr doch platz zu machen. um dann unisono zu entdecken, daß die mitnahme von kinderfahrrädern rechtens sei, aber so betonte sie, nicht um diese uhrzeit die beförderung von fahrrädern mit anhänger. das sei nicht rechtens, palaverte sie. ihr entgeht eben nicht unrechtes.

und komplimentierte, vielleicht hat sie mal luft geholt zwischendurch, einen fahrgast von seinem sitzplatz hinweg, sie sei berechtigt diesen einzunehmen. was sie auch tat. belustigung und ein bißchen genervtsein im waggon. über solche rechtslagen mag man sich vielleicht nicht streiten (in chaotischen zuständen, jedenfalls gefühlt chaotischen), jedenfalls wollte niemand der frau ihr recht nehmen. leider setzte sie ihr recht nicht nur durch, ob berechtigt oder nicht, die gusche wollte nicht mehr still stehen: ich setzte die kopfhörer auf, und kann nur aus den bildern der erinnerung mir noch zusammenreimen, daß sie allen die rechtslage noch einmal und vielleicht noch einmal auseinandersetzte. einer kicherte.
#
und ich wünschte mir, hatte ja nicht auf volle lautstärke gedreht, um dem palaver zu entgehen: jetzt müßten alle unerlaubte dinge tun. dinge, die nicht rechtens sind. das chaos im öffentlichen nahverkehr ist schwer zu ertragen, aber möglich. im grunde ist es vergleichbar anarchischen zuständen. eigentlich ist es überflüssig, sich ausgerechnet hier nach anarchie zu sehnen.
#
es ist ja schön, daß die frau mit ihrem fahrrad und ihrem ausweis und so weiter im recht war, wahrscheinlich. aber es war so unglaublich unsympatisch, so gegen jede regeln des miteinander.
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was ich (leider) nicht weiß, ob sie, die auf ihr recht pochte, ihren rechten nicht traute oder nicht den regeln des miteinander.


 
 
01
September
der janni (wieder),

der alte wahrheitsfinder: "In Wahrheit ist die große Wanderung nach Europa ein Beweis für die Anziehungskraft des westlichen Systems."
die gleichzeitige wahrheit, jannis wahrheit, ist: aber sie sind fremd, was wollen die? also, in wahrheit?
#
die wirklichkeit ist, daß die menschen da sind. oder noch kommen, in die westliche, eine vielbeschworene rechtsstaatliche, welt. dabei könnte
"enttäuschungsprophylaxe" noch ein schönes wort werden.


 
 
04
Juli
όχι
letzte ausfahrt nach europa.

 
 
31
Mai
ideen aus pragmatischen dogmen

wobei die dogmatiker als solche freilich nicht benannt werden wollen, auch wenn sie die ideen von europa gerne und wahrscheinlich absichtsvoll mit der grandiosen idee des euro versinnwechseln. wenn sie rein ökonomisch betrachtet, keinen sinn ihres verständnisses von ökonomie erkennen wollen, obwohl sie die ökonomie gerne als etwas losgelöstes unabhängiges und am besten sich selbst regeln könnendes; als wäre es unvernünftig, nicht daran zu glauben, an das großeganze und erkennen müssen. dann müssen sie den verfallsprozeß des kapitalismus trotz und alledem, was sollten sie auch tun, aufwerten: moralisch und rechtlich.
dem homo ökonomikus fällt nichts anderes ein, als sein scheitern aus moralischen und rechtlichen gründen. das ist doch mal ein anfang, weiter so!


 
 
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update: 2020.05.25, 18:07
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